Künstlerisch-handwerklicher Unterricht

Musik, Kunst und Handwerk nehmen im Fächerkanon einer Waldorfschule eine wichtige Stellung ein. Nicht der Handwerker, der Musiker oder der Künstler schlechthin sollen herangebildet werden, sondern es sollen grundlegende Fähigkeiten für das Leben erworben werden, die durch diese Tätigkeiten gefördert werden. Diese hier erlernten Kulturtechniken sind gleichsam Schlüssel zu Lebenstüchtigkeit, Lebensbejahung und Lebensgestaltungskraft.

Im Handarbeitsunterricht, beim Erlernen  eines Instrumentes oder im Herantasten an verschiedene Handwerke wie Töpfern, Schnitzen, Schmieden u.a. bildet sich feinmotorische Geschicklichkeit aus, schärfen sich die Sinne und erprobt sich die zupackende Tatkraft. Neben den Ausdauer- und Willenskräften werden aber auch das konzeptionelle Denken und die nüchterne Urteilsfähigkeit geschult. Als Gestalter ist das ganze Kind an der Entstehung von Werkstücken und Kunstwerken beteiligt und erfährt somit auch alle Anstrengungen und Glücksmomente eines solchen künstlerisch-handwerklichen Prozesses.

Folgende Fächer gehören zum handwerklich-künstlerischen Bereich:

-       Musik
-       Malen/Zeichnen/Formenzeichnen
-       Handarbeit
-       Handwerksunterricht
-       Gartenbau
-       Eurythmie
-       Künstlerisch-Sprachlicher Unterricht

Musik

Musik hat einen luftigen und leicht vergänglichen Charakter. Etwas klingt, Klang entsteht, wenn man etwas in Bewegung bringt – eine Saite, eine Luftsäule eine Membran. Die Qualitäten der Klänge wie Dichte, Farbe, Dynamik und ihre zeitlichen Abläufe (Rhythmus und Form) werden erlebbar.

Der junge Mensch, der sich in Musik (alternativ: in Klanggestaltung) übt, lernt zu horchen, innerlich mitzuschwingen, zu antworten und aktiv zu sein. Durch die rhythmische Betätigung und Gliederung wendet er mathematische Gesetze praktisch an. Er erlebt ständig den Übergang von Materie und Geist, da er Materialien zum Schwingen bringt und etwas entsteht, das sich physisch am Rande der Greifbarkeit bewegt.

Die Kinder lernen mit ihren Gefühlen umzugehen. Sie tun dies in der Gruppe gemeinsam, bilden eine emotionale Gemeinschaft, was in heutiger Zeit ein unschätzbarer Wert ist.

Im Unterschied zum Handwerk entsteht ein „Produkt“, dass auf den ersten Blick nicht zwingend zum Leben gebraucht wird, das ihm aber Geistes- und Seelenkräfte verleiht, denn ohne Schönheit kann der Mensch nicht leben. Die dazu notwendige haptisch-feinmotorische Geschicklichkeit, welche sich nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen auch positiv auf ein differenziertes Denkvermögen auswirkt (beide Hirnhemisphären werden gleichermaßen aktiviert), bildet sich beim Üben genauso subtil heraus, wie eine breit gefächerte Sozialkompetenz.

An unserer Schule lebt die Musik in verschiedensten Formen. Immer wieder erschallen fröhliche Gesänge aus den Klassenräumen und in den unteren Klassen wird das Blockflötenspiel geübt. Ab der zweiten Klasse lernen alle Kinder in kleineren Gruppen ein Streichinstrument und erwerben sich somit Fähigkeiten um ab der 6ten Klasse vielleicht im Orchester teilzunehmen. Wer nicht im Orchester streicht, der übt sich im mehrstimmigen Chorgesang.

Malen/Formenzeichnen/Zeichnen

Von der ersten Klasse an ist das Wasserfarbenmalen ein fester Bestandteil des künstlerischen Unterrichts. Hier können die Kinder die Wirkung von Farben erleben und spüren und sich immer größere Fertigkeiten im Umgang mit Farbe und Pinsel erarbeiten. Das Formenzeichnen ergänzt und erweitert das gestalterische Repertoire. Hier sind es geometrische Formen, die geübt werden. Spätestens in der Mittelstufe fließen beide Fächer im gegenständlichen Malen und Zeichnen zusammen. In der Oberstufe entstehen nicht nur immer individuellere Kunstwerke, sondern die Schüler werden von einem Kunstlehrer bei ihren eigenen Kunstprojekten begleitet und auch in Kunstgeschichte unterrichtet.

Handarbeit

„Ich glaub`, man kann alles stricken!“ – dieser freudige Ausruf eines Erstklässlers macht deutlich, wie stark jede selbstständig ausgeführte Tätigkeit das Selbstvertrauen und das Wohlempfinden fördert. Das Stricken, Häkeln und Nähen von kleinen sinnvollen Alltagsgegenständen erlernen Jungen und Mädchen von der ersten Klasse an gemeinsam. Dabei geht es nicht nur um handarbeitliche Fertigkeiten: Durch eine differenzierte Feinmotorik wird die Gehirnentwicklung in besonderer Weise angeregt – davon, nicht nur vom Stricken selbst, profitieren die Schüler ein Leben lang.

Ihre Freude an der Schönheit und am Tätig sein hilft den Kindern beim Stricken, Häkeln, Nähen und Sticken – bei Fertigkeiten, mit denen sie im Laufe der ersten Schuljahre Flötenbeutel, Umhängetaschen, Stofftiere und Puppen, Strümpfe und Mützen auf künstlerische Weise herstellen.

In der 8. Klasse lernen die Schülerinnen und Schüler die Nähmaschine zu gebrauchen und können bei Erstellung der Kostüme für ihr großes Klassenspiel helfen.

Im 9. Schuljahr schneidern sie ein Kleidungsstück – eine anspruchsvolle Herausforderung, die zugleich ein sichtbares Zeugnis der erworbenen Könnerschaft bedeutet.

In der 10. Klasse folgen mit Spinnen und Weben zwei weitere Künste, die sowohl handwerkliches Können als auch vorausschauendes Denken verlangen.

Das Buchbinden und die Kartonage in der 11. und 12. Klasse runden die Materialkunde ab. Nach zwölf Jahren Handarbeit haben die Schülerinnen und Schüler gelernt, Fäden selbst in die Hand zu nehmen.

Handwerksunterricht

Im Handwerksunterricht steht zunächst das Holz als wichtiger natürlicher Rohstoff als Material für alle Arbeiten zur Verfügung. Es wird geschnitzt, gebeilt, geraspelt und gefeilt - am Ende entstehen aus den Holzstücken kleine Tiere, Löffel oder sogar bewegliche Spielsachen. Dieser Unterricht, der nicht nur die Motorik verfeinert, sondern auch den Durchhaltewillen stärkt, beginnt in der 4.Klasse und begleitet die Schüler bis in die Oberstufe. Bei der Arbeit mit den verschiedenen Werkzeugen können die Schülerinnen und Schüler ihre wachsenden Kräfte erproben und erlangen immer mehr Fähigkeiten im Umgang mit den unterschiedlichen Materialien. In der oberen Mittelstufe bauen sie einfache Gebrauchsgegenstände, die eine große Maßhaltigkeit erfordern und später werden grundlegende Techniken des Schreinerns erlernt. Andere Rohstoffe verlangen andere Arbeitsschritte, es erzieht nicht nur der Lehrer, sondern auch die Natur der Werkstoffe verlangt den Schülern bestimmte Tätigkeiten ab, um zu einem Arbeitsergebnis zu kommen. In der Oberstufe kommen Ton, Kupfer und Eisen als neue Materialien zum Einsatz

Gartenbau

Text ist noch in Arbeit.

Eurythmie

Eurythmie ist eine Bewegungskunst, die an Waldorfschulen in allen Klassen unterrichtet wird. Im Unterschied zu gymnastischen, pantomimischen oder tänzerischen Bewegungen, die völlig frei gestaltet werden können, gibt es in der Eurythmie für jeden Buchstaben und jeden Ton eine ganz bestimmte Gebärde – es handelt sich also um sichtbar gemachte Sprache und Musik. In der Lauteurythmie stellen die Schüler zum Beispiel dar, was in einem Gedicht an Lauten lebt, und in der Toneurythmie, was in den Tonintervallen einer musikalischen Komposition lebt.

 


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